Die vielen Gesichter des Respekts

Gewalt-Projekt an Wilhelm-Maier-Schule baut Kompetenzen weiter aus

von Angela Groß - Heilbronner Stimme 29.1.2010

Viele, viele Gesichter blicken einen an, wenn man in der ersten Stock der Wilhelm-Maier-Schule im Neckarsulmer Stadtteil Obereisesheim kommt. Die 165 schwarz-weißen Fotos füllen fast die komplette Wand und bleiben als Erinnerung an das jetzt zu Ende gegangene Gewalt-Projekt hängen. Alle sollen symbolisieren: Wir zeigen Gesicht für einen respektvollen Umgang miteinander.
Wenn Schulsozialarbeiterin Ulrike Schwellinger erzählt, was in den 13 Workshops alles gelaufen ist, von zufriedenen Schülern und Lehrern, die auf eine Wiederholung hoffen, betont sie aber auch, dass "hier an der Schule keine drastischen Dinge passieren."
Die Idee war, sich gemeinsam vier Tage zu nehmen, um über Dinge wie täglichen Umgang, Respekt und Miteinander nachzudenken. Auch dann, wenn bestimmte Regeln im Umgang miteinander gut klappen, wurden die Hauptschüler im Dezember nach ihren Erfahrungen mit Respektlosigkeit und verbaler Gewalt befragt. "Es ist wichtig, genau hinzuschauen", sagt Ulrike Schwellinger. Ein Film der Polizei griff das Thema Handygewalt auf. Bei diesem Phänomen geht es darum, dass Schüler andere in kompromittierenden Situationen filmen und die Aufnahmen später ins Internet stellen. Häufig sieht eine schweigende Mehrheit zu - " und da haben wir uns überlegt, was man machen kann, ohne sich in Gefahr zu bringen", sagt die Schulsozialarbeiterin.
Bei den Workshops etwa mit dem Heilbronner Rapper Peakant (Philip Kionka) ist ein Song entstanden, der zur Verblüffung der Erwachsenen bereits einen Tag später im Videoportal Youtube zu sehen war. Die Catering-Crew versorgte alle Schüler mit selbst geschnittenem Gemüse, Dips und belegten Brötchen. "Höflichkeit ist cool. Isst du noch oder dinierst du schon?" - bei diesem Workshop im Hotel Nestor drehte sich alles um Benimmregeln und wie man Wertschätzung äußern kann.
Eine der Referentinnen war Sabine Behrendt, Künstlerin und Trommlerin aus Bad Rappenau-Grombach, sie hat festgestellt, dass die unterschiedlich alten Schüler in ihrem Trommelworkshop "super zusammengearbeitet haben", Respekt im Umgang mit Tieren vermittelte Andrea Petzold, Lehrerin in der Klasse 8. Sie war im Pferdestall mit den Kindern, für viele war es der erste Kontakt mit den großen Tieren. "Am Schluss sind alle geritten, sogar galoppiert." Und was sagen die Schüler? Lena Engel fand es gut. Im Hinblick auf das demnächst anstehende Praktikum fallen ihr die Betreuer ein, denen sie respektvoll begegnen will. Für Ann-Kathrin Erber war das Projekt und vor allem der Hip-Hop-Workshop eine "willkommene Abwechslung" vom Unterricht.
Info: Über die Workshops ist ein 50minuten Film entstanden. Schüler können ihn für 3 Euro kaufen. Der Erlös ist für die Hilfsaktionen in Haiti gedacht.